Christopher 45 soll bleiben!

Sehr geehrter Herr OB Brand,

sehr geehrter Herr Prof. Wenzel,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich spreche heute im Auftrag aller im Gemeinderat der Stadt FN vertretenen Fraktionen zu dieser Resolution, was deutlich machen soll, dass wir Alle, ohne Zweifel zu einem Verbleib von Christopher 45 am Klinikum in FN stehen.

Unzweifelhaft sind wir der Ansicht, dass jede und jeder Mitbürger/In in BW dasselbe Recht auf die bestmögliche Notfallversorgung hat, egal ob er droht im Bodensee zu ertrinken, einen Unfall auf der Straße hat oder im Landkreis Sigmaringen einen Schlaganfall erleidet. Dies war sicher auch die Grundlage dieses vorliegenden Gutachtens des Instituts für Notfallmedizin und Medizinmanagement zur Untersuchung der Luftrettungsstruktur in BW, vom Innenministerium in Auftrag gegeben.

Allerdings formulieren die Gutachter selbst, dass die Limitierung dieses Modells dabei grundsätzlich in der Verfügbarkeit geeigneter und verwendbarer Daten liegt und führen als Beispiel die Wetterdaten bzw. Daten zu den Sichtverhältnissen an. So seien kleinräumige Wetterdaten nicht verfügbar, was uns laut Gutachten deutlich mehr Nebeltage beschert, als wir real haben: nämlich nur 15 der 34 Tage, an denen Christopher 45 nicht zum Einsatz kam waren tatsächlich im Indexjahr 2018 wetterbedingt durch Nebel betroffen, die anderen 19 Tage an denen Christopher 45 nicht flog ergaben sich durch die Nichtanforderung der Ravensburger DRK-Leitstelle und nicht durch Nebel.

Dasselbe könnte jetzt für die zugrunde gelegten Fluggeschwindigkeiten durchdekliniert werden. Wir haben dies bereits ausführlich vorher im Vortrag von Prof. Wenzel gehört!

Christopher 45 hat für den Bodenseekreis allerdings noch wesentliche weitere Aufgaben zu erfüllen, nämlich fliegt er in 18,5% Verlegungsflüge zu Kliniken der Maximalversorgung und dies ist auch dringend notwendig, da nirgends in BW die Entfernung zu diesen Kliniken größer ist, als im Bodenseekreis! Jeder Patient und jede Patientin, die darauf jemals angewiesen ist, wird dies mit Dankbarkeit registrieren!

Es gibt viele weitere und gewichtige Argumente, die für den Erhalt des Standortes in FN am Klinikum sprechen: Warum sollte ein Standort wenige Kilometer auf die grüne Wiese verlegt werden, wo es in FN am Klinikum ein gut eingespieltes Team gibt, hochkarätig personell besetzt und mit einer Klinik im Hintergrund mit notfallmedizinischer Kompetenz und langjähriger Erfahrung in der luft- und bodengebundenen Notfallversorgung?

Was ist mit unserer besonderen Situation am Bodensee, Rettungen Ertrinkender, aber auch als Tourismusregion mit über 3 Millionen Übernachtungen im Jahr, sowie mit der B31 als wichtiger Ost-West-Verbindung  und entsprechend ganzjährig sehr belasteten Straßen?

Was ist mit unserer Infrastruktur mit zahlreichen großen Industriebetrieben darunter 2 Seveso-II Betrieben, dem Flughafen, der Messe und auch den Einsätzen in der Schweiz und in Österreich, die nicht in das Gutachten eingegangen sind?

Auf all diese Aspekte ist Herr Prof. Wenzel eingegangen und hat damit die Besonderheiten dieser Region sehr fundiert aufgezeigt.

Ich will es nochmals betonen: Christoph 45 sollte definitiv kein Objekt politischer Eitelkeiten und Begehrlichkeiten werden, sondern da zum Einsatz kommen, wo er den größtmöglichen Nutzen aufweist.

D.h. nüchtern betrachtet benötigt der sogenannte „Kummerwinkel“ in den Landkreisen Sigmaringen und Zollernalb einer sinnvollen und den Bedarfen entsprechenden Lösung! Diese sehen wir aber durchaus in anderen Modellen gegeben, als in der Verlegung des Standortes von Christopher 45, nämlich z.B. in der ebenfalls angedachten Verlegung von Christoph 41 von Leonberg in die Region Tübingen/Reutlingen und/oder einer zusätzlich bodengebundenen Aufstockung eines zusätzlichen Notarztwagens am Krankenhaus Sigmaringen. Hierdurch würde die Zielsetzung, nämlich Versorgungsgerechtigkeit ebenfalls sehr gut dargestellt.

Will man nun politisch tatsächlich allen Ernstes ca. 7,5Mill. € für einen neuen Hubschrauberstandort  auf der grünen Wiese ausgeben und ein gut eingespieltes System mit bestehender hochkarätiger Besetzung zerstören, um es an einem anderen Standort neu aufbauen zu müssen, ohne Klinik vor Ort?

Unser Fazit und Appell an die Entscheidenden im Landtag ist klar: das kann und darf nicht sein! Die lokalen Gegebenheiten vor Ort müssen bei jedem der angesprochenen Vorschläge überprüft und gewertet werden, erst dann sind sinnvolle Entscheidungen möglich.

Wir appellieren daher an alle Verantwortlichen im Land bei dieser gewichtigen Entscheidung die Argumente und den Sachverstand der Region mit einzubeziehen und die politische Willensbekundung des Gemeinderates und des Kreistages ernst zu nehmen.

Christopher 45 muss am bisherigen Standort am Klinikum FN verbleiben!

Dr. Dagmar Hoehne/22.11.2020

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